Fulda (cif). Bienen gibt es hier zwar noch keine, ihre "Häuser" wurden am Donnerstag jedoch von fleißigen Händen kunstvoll verziert. Die zweite Klasse der ABC-Land-Grundschule Maberzell durfte sich nach Herzenslust austoben und mit Spraydosen Beuten, also künstliche Nisthöhlen aus Holz, auf dem Schulhof verschönern.
Die Kästen werden in den kommenden Tagen abtransportiert und auf die Streuobstwiese des Caritas-Jugendhilfeverbundes St. Elisabeth umgesiedelt. Hier entstand auch die Idee für das Kooperations-Projekt. Im vergangenen Jahr hatte der Jugendhilfeverbund den ersten Platz beim Nachhaltigkeitspreis der RhönEnergie gewonnen. Das Preisgeld von 5.000 Euro, erklärt Einrichtungsleitung Christof Schneider, wollte man ebenfalls für einen nachhaltigen Zweck angelegen.
"Schon in der Vergangenheit haben wir, bei verschiedenen Gelegenheiten, mit der ABC-Land-Schule zusammengearbeitet. Also hatten wir uns nun überlegt, dies wieder zu tun und den Kindern die Natur näherzubringen." Durch einen Mitarbeiter des Jugendhilfeverbundes angeregt, habe man sich schnell auf ein Bienenprojekt geeinigt. "Bienen tragen maßgeblich zum Erhalt biologischer Vielfalt bei und sind, durch den Vorgang der Bestäubung, dafür mitverantwortlich, dass es eine große Auswahl an Gemüse und Obst gibt."
Das Projekt zielt darauf ab, Kindern einen bewussteren Zugang zu ihrer natürlichen Umwelt zu ermöglichen, indem es ökologische Zusammenhänge exemplarisch am Beispiel der Honigbiene erfahrbar macht. Durch partizipative Gestaltungselemente wird zugleich die soziale Teilhabe gestärkt und ein nachhaltiges Interesse an Natur und Gemeinschaft gefördert.
Philipp Garrison vom Jugendhilfeverbund ist Mitinitiator des Bienenprojekts. Er betont, dass es auch darum geht, Kindern die Vielfalt ihres Nahrungs- und Sozialraums näherzubringen und sie hinsichtlich der Lebensvielfalt zu sensibilisieren. "Die Biene wird hier als eine Forschungsgruppe gesehen. Die sie umgebende Fauna und Flora soll jedoch ebenfalls thematisiert werden." Von besonderer Bedeutung scheinen solche Projekte insbesondere deshalb zu sein, da Kinder und Jugendliche zunehmend mehr Zeit im Netz und in den "sozialen" Netzwerken verbringen, ihre Umgebung jedoch hierbei häufig aus den Augen verlieren. "Das Projekt kann und soll damit auch dazu beitragen, Kinder zu mobilisieren und ihnen Freude an realen Aktivitäten zu vermitteln."
Bald, so erklärt Einrichtungsleiter Schneider, bekämen die Grundschüler Schleier zum Schutz vor den Bienen überreicht, welche in den kommenden Tagen in ihre hübsch bemalten Nisthöhlen einziehen sollen. "Etwa alle drei Wochen besuchen uns die Kinder auf dem Gelände und sehen nach, wie es ihren Bienen geht und wie weit das Volk mit dem Wabenbau gekommen ist". Auch sollen die flinken Insekten Thema im Sachkundeunterricht der Schule werden, weiß Schneider zu berichten. Das Projekt ist auf die Dauer von einem Jahr angelegt, allerdings gibt es die Option der Verlängerung.